Erschienen am 4. September 2006 in der Oberhessischen Presse:


ALTE MUSIK BLÜHT IM FÜRSTENSAAL AUF
200 Besucher feierten das MARAIS CONSORT beim Schlosskonzert


Marburg. Ein Klangerlebnis der besonderen Art und Güte bot das Marais Consort 200 Besuchern im Fürstensaal: Mit vier gamben und Cembalo präsentierte das Ensemble Musik der Renaissance und des Frühbarock in perfekter Interpretation.
Am Freitagabend stimmte einfach alles: Musik von 15 Komponistinnen und Komponisten; Werke, bei denen Frauen und Mädchen im Mittelpunkt standen; ein klar strukturiertes Programm; schön klingende Instrumente; beseeltes Spiel von hochkarätigen Musikern, die sich auch solistisch profilieren konnten.
Entscheidend aber war, dass die Musiker die Werke in sich klingen ließen, in sich hinein und auf die Mitspieler hörten. Ein solches Verständnis untereinander, für die Musik, für den zarten und weichen Klang der Gamben in Verbindung mit stützendem oder perlendem Cembalospiel ist selbst für Profis außergewöhnlich …
Den vier Streichern Rebeka Rusó, Irene Klein, Hermann Hickethier und dem Leiter des Ensembles, Hans-Georg Kramer, gelang mit ihrem Spiel ein warmer, transparenter Klang, in dem jede Stimme gleichberechtigt und durchhörbar war. Zarte Töne, feinste Abstufungen in Dynamik und Tempo, traumhaft dezente Echos, die scheinbar schwerelos im Raum schwebten, machten ihr mustergültiges Spiel zum Klangerlebnis …
Eustache de Caurroys vier Fantasien über “Ein junges Mädchen” gefielen im Spiel des Marais Consort mit sanglicher Melodik und zartem Klang. Mit sinnigen Zwiesprachen, schlichter Harmonik, kurzen Modulationen, schönen Wechsel- und Durchgangsnoten umschmeichelten die Musiker Ohr und Gemüt.
Marc-Antoine Charpentiers “Concert pour quatre parties de violes” lebte von den Kontrasten der Sätze: Individualität und Schönheit des Klanges sowie tänzerische Freude und Leichtigkeit. Es war zauberhafte Musik in kongenialer Interpretation, der man sich einfach hingeben konnte.
Das Publikum feierte die Künstler überschwänglich mit stürmischem Applaus und amüsierte sich über Jacobus Paix’s “Schiarazula” als Zugabe.


HELMUT ROTTMANN

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